Warum wir gerade verschenken

Warum wir gerade verschenken

In den letzten Wochen hat sich bei uns im Laden etwas verändert. Es war kein lauter Knall, keine große Ankündigung. Es geschah eher schleichend zwischen den Gesprächen, zwischen einer Tasse Tee und einem flüchtigen Lächeln an der Tür.

Mehr als nur ein Laden

Menschen kommen zu uns. Manche ganz gezielt, manche eher zufällig. Manche bleiben einfach nur stehen, schauen sich um und atmen für einen Moment durch. Dabei ist uns eines klar geworden: Es geht oft gar nicht um die Produkte in unseren Regalen.

Es geht um Nähe. Um das Gesehenwerden. Um einen Ort, an dem man einfach kurz sein darf.

Wir begegnen hier der Einsamkeit öfter, als man vermuten würde. Aber sie kommt nicht laut oder dramatisch daher. Sie sitzt nicht weinend auf einem Stuhl. Sie steht freundlich vor dem Regal, sagt höflich Danke, fragt nach dem Wetter oder erzählt beiläufig von früher. Einsamkeit ist leise. Und gerade deshalb übersehen wir sie im Alltag so leicht.

Eine Geste, die bleibt

Fredy und ich haben viel darüber nachgedacht. Eigentlich war es gar kein langes Gespräch, eher ein gemeinsames Spüren. Ein Moment, in dem wir wussten: Wir denken gerade dasselbe.

Also haben wir angefangen, kleine italienische Kuchen zu verschenken.

  • Nicht, weil wir etwas beweisen wollen.
  • Nicht, weil gerade Weihnachten vor der Tür steht.
  • Nicht, weil wir glauben, damit die ganze Welt zu retten.
  • Sondern einfach, weil es sich richtig anfühlt.

Zu jedem Kuchen legen wir eine Postkarte. Immer. Wir suchen sie mit viel Ruhe aus und schreiben ein paar Worte von Hand darauf. Keine großen philosophischen Abhandlungen, sondern kleine Widmungen wie: „Schön, dass es Sie gibt“ oder „Für einen guten Moment heute“.

Warum Worte auf Papier so wertvoll sind

Diese Karten sind für uns kein bloßes Extra. Sie sind der Kern der Geste. Denn Worte auf Papier bleiben. Man kann sie einstecken, sie später noch einmal lesen oder sie dann wiederfinden, wenn es um einen herum ganz still geworden ist.

Wir beobachten oft, wie die Menschen reagieren: Manche halten die Karte einen Moment ganz fest. Andere verstauen sie sorgfältig in ihrer Tasche. Wieder andere erzählen uns, dass sie solche Karten sammeln als Ankerpunkte, die bleiben.

„Wir glauben nicht an die großen Gesten. Wir glauben an das Kleine, das im Alltag passiert, ohne dass jemand Beifall klatscht.“

Menschlichkeit teilen

Wir schenken diese Momente den Menschen, die allein leben. Denen, die immer wiederkommen. Und denen, die eigentlich gar nichts kaufen wollten. Was dann passiert, lässt sich nicht planen: Ein überraschtes Lächeln, ein kurzes Innehalten oder ein Blick, der mehr sagt als jedes Dankeschön.

Warum wir das tun? Weil wir spüren, dass viele Menschen momentan zu wenig bekommen nicht materiell, sondern menschlich. Und wir sind überzeugt: Man muss nicht warten, bis man „genug“ hat, um etwas abzugeben.

Man kann teilen, einfach weil man da ist. Weil man hinsieht. Weil man fühlt.

Unser kleiner Laden ist für uns deshalb viel mehr als nur ein Ort zum Verkaufen. Er ist ein Raum für Begegnungen. Wir retten damit niemanden und wir sind keine Helden. Wir tun einfach das, was sich gerade richtig anfühlt.

Und vielleicht ist genau das genug.

Alles Liebe, Lini & Fredy

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2 Kommentare

So wundervoll herzlich menschlich! Dankeschön 🫶🏽

Karin

Das ist soooo schön.🥰 Ich hab Pipi in den Augen beim Lesen. Ihr seid toll. Weiter so. Und falls ich mal nach Flensburg fahre, komme ich auf jeden Fall mal lang. 😘

Anja

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